Ein Tag wie jeder andere … wenn man was vom Amt möchte

Landratsamt RastattHeute war wieder mal ein Tag, wie jeder andere Tag, an dem man etwas vom Amt möchte.

Vorgeschichte:

Eigentlich fing der ganze Tag gar nicht schlecht an: Vorgenommen hatten wir uns vor unserem Umzug den ganzen Trödel, der sich über Jahre bei uns und meinen Eltern angesammelt hat, an den Mann zu bringen. Samstag ist Trödelmarkt in Pforzheim und wir hatten für heute geplant, den Trödel, den wir nicht mehr brauchen zu sortieren.

Auf dem Weg zu meinen Eltern fuhr ich schnell noch an unserem Postfach vorbei und war voller Freude, als ich nebst der Wochenzeitung ZEIT und einem Brief von Haus & Grund (jeder der mit Haus & Grund jemals zu tun hatte, weiß um was es in den meisten, „freundlichen“ Briefen bei Haus & Grund geht), endlich Bescheid vom Landratsamt Rastatt aus dem Postfach nehmen konnte. Als erstes öffnete ich den Brief vom Landratsamt voller Spannung. Ich dachte es wäre die langersehnte Bestätigung, dass die drei Ausnahmen vom Bebauungsplan durch sind und wir Nordhorn endlich grünes Licht für die Anfertigung unseres Hauses geben konnten.

Als ich die ersten Zeilen des Betreffs laß, sah es gar nicht schlecht aus:

Vorhaben: Kenntnisgabeverfahren: Neubau eines Wohnhauses, AZ.01064-11-03; hier: Besonderer Antrag auf Befreiung.

Yeeeessss! Wir haben Ihn!

Ich las weiter:

… für Ihr oben bezeichnetes Vorhaben haben Sie einen besonderen Antrag nach § 51 Abs. 5 Landesbauordnung (LBO) gestellt. Der Antrag ist am 08.08.2011 hier eingegangen.

Ich las weiter:

… Bei der Durchsicht der Bauvorlagen haben wir festgestellt, dass folgende Unterlagen fehlen bzw. nicht den Anforderungen entsprechen …

Wunderbar, wäre auch zu schön gewesen, wenn alles doch recht unkompliziert verlaufen wäre.

Zurück zur Story:

Auf dem Weg zu meinen Eltern im Auto legte ich mir eine Strategie zurecht, wie ich 1. ruhig bleibe und 2. welche Schritte ich als nächstes tun werde, um diese Misere so schnell wie möglich beenden zu können. Ich überlegte mir folgendes:

Es gibt zwei Möglichkeiten, was Rastatt nun noch fehlen könnte, was abzuklären wäre: 1. ein weiterer nordhorner Bauantrag, den uns die Gemeinde Loffenau zurückgegeben hatte oder doch 2. eine Befreiung für die in diesem Schreiben aufgezählte Abweichung, das Nordhorn also doch noch einen Ausnahmeantrag vergessen hatte. Aus dem Bauantrag ging leider nicht hervor, welche Ausnahmen von Nordhorn schon beantragt wurden und welche noch nicht. Mir wäre Möglichkeit 1 viel lieber gewesen, da es sich nur um eine Nachsendung von Dokumenten gehandelt hätte.

Bei meinen Eltern angekommen griff ich sofort zum Hörer. 1. Anruf: keiner ging ans Telefon. 5 Minuten habe ich geantwortet, dann kam der 2. Anruf: wieder ging keiner ans Telefon. OK sagte ich zu mir, vielleicht ist die bearbeitende Dame vom Amt beim Essen. Ich warte noch eine halbe Stunde und ruf dann nochmal an.

30 Minuten später: 3. Anruf: die Dame war noch immer nicht zu sprechen. Anruf im Kundenservice-Center (Öffnungszeiten von 7:30 Uhr bis 17:00 Uhr). Eine Dame meldete sich mit

Landratsamt Rastatt, was kann ich für Sie tun?

Man muss sich dass mal auf der Zunge zergehen lassen: „Landratsamt Rastatt, was kann ich für Sie tun? … Wow, das ganze Landratsamt Rastatt vereint sich in einer weiblichen Person und kümmert sich noch um dein Anliegen!

Nun gut. Ich verlangte gleich unsere Sachbearbeiterin und es kam folgende Aussage zurück: Frau Knoblauch (Hinweis: die Namen dritter Personen sind verändert worden) ist auf Amtsgang. Soll ich Sie mit dem Sekretariat verbinden?“

Im Hörer erklang: „Das schönste Land in Deutschlands Gau’n“ und ich war in der Warteschleife. Wenigstens hatte das Amt Humor und eine gehörige Portion Lokalpatriotismus, wenn es schon das Badnerlied als WarteschleifeWartemelodie erklingen lässt.

Es vergingen ca. 5 min. Der Hörer dröhnte noch immer das Badnerlied. Endlich erklang eine Stimme: „Ich versuchs weiter…“ und der Hörer dröhnte wieder das Badnerlied. 10 weitere Minuten vergingen, der Hörer blerrte weiter das Badnerlied. Endlich erklang merklich eine nervösere unsicherere Stimme: „Ich versuchs weiter…“ Und wieder blärrte der Hörer das Badnerlied.

10 weitere Minuten vergangen und endlich, eine Stimme meldete sich: „……………………………………………………………………………………………….“

Ich verstand die gute Dame nicht. Also meldete ich mich mit „Ah, bin ich jetzt mit dem Sekretariat verbunden?“ Der Telefonhörer polderte entrüstet „Nein, eine Mitarbeiterin! Was kann ich für Sie tun?“

Ich schilderte den Sachverhalt, klärte mit der Dame (deren Namen ich noch immer nicht wusste), um was es sich nun letztendlich bei dem vom Landratsamt vermissten Dokument handelte und erfuhr, dass Nordhorn doch was vergessen hatte, zu beantragen.

Die Dame am anderen Ende vom Hörer erklärte mir, dass die Bausitzung jeden Mittwochmorgen im Landratsamt von statten gehen würde. „Gut“ sagte ich. „Wie lange muss ich auf die Befreiung warten“ fragte ich. Die Dame sagte wieder, dass die Bausitzung jeden Mittwochmorgen im Landratsamt von statten gehen würde. Der Antrag müsste also vor Mittwoch ihr zugehen. Ich sagte: „Er wird Ihnen zugehen. Wie lange muss ich dann noch auf die Befreiung warten?“ Die Dame am anderen Hörer sagte daraufhin: „Die Bausitzung findet jeden Mittwochmorgen statt.“ Ich erwiederte: „Das weiß ich, wie lange müssten wir auf die Befreiung warten? oder möchten Sie sich nicht in Ketten legen.“ Nun kam die Dame am anderen Hörer mit der Wahrheit raus: Sie wolle sich nicht festlegen. Es kann, vorausgesetzt der Antrag käme vor Mittwoch an, bis zum Wochenende dauern, oder bis nach dem Wochenende. Jedenfalls müssten wir rein theoretisch in 2 Wochen Bescheid haben.“

OK, ich hatte noch eine letzte Frage: „Muss die neue Befreiung erneut durch den Gemeinderat gehen?“ Daraufhin gab die Dame am anderen Hörer die Antwort: Sie werde nochmals mit der Gemeinde Loffenau Rücksprache halten, ob der Gemeinderat alle Befreiungen abgesegnet hätte, danach würde es in die Bausitzung des Landratsamtes gehen und nochmals beraten werden. Es dürfte aber nichts Negatives beschieden werden, da ja im Vorfeld das Bauvorhaben mit der Gemeinde und dem Landratsamt abgesprochen wurde.

Wenigstens ein Hoffnungsschimmer am schwarzen Bauhorizont.

Nach der neuen Erkenntnis schickte ich das digitalisierte Schreiben an alle Betroffenen, rief meinen Hausverkäufer an und schilderte ihm den Sachverhalt nach derzeitigem Stand. Unser Hausverkäufer versicherte mir, dass er sich gleich um die Sache kümmern wird, wenn er in einer halben Stunde am Schreibtisch sitzt.

Nach ca. 2 Stunden kam der Bestätigungsanruf, dass sich der Sache angenommen wurde und die Planungsabteilung in Nordhorn versicherte, dass der neue Antrag gleich bearbeitet werden würde, es wären ja nur ein paar Zeilen zu schreiben.

Wie gesagt, ein Tag wie jeder andere … wenn man was vom Amt möchte.

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